Sozialförderliche Enttabuisierung

Sozialförderliche Enttabuisierung

Drogen- und andere Süchte, aus Not praktizierte Prostitution, depressive Erkrankungen und Suizide sind nicht nur menschliche Tragödien, sondern verursachen auch immense volkswirtschaftliche Kosten. Tabuisiert oder einfach ratlos wahrgenommen, wird mit diesen Phänomenen manchmal hilflos, manchmal inadäquat umgegangen. Trotz hoher Dringlichkeit versickern sie oft im politischen Alltag, um im Verlaufe der Zeit und angesichts akuter Ereignisse wieder in ihrer ganzen Komplexität ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu dringen. Verdrängung, moralische Vorstellungen und ‚realpolitische‘ Sachzwänge versperren oft lösungsorientierte Perspektiven.

Beispiele dafür sind die Stigmatisierung oder sogar Kriminalisierung der Prostitution mit entsprechenden negativen Effekten oder die sexualisierte kommerzielle Werbung im öffentlichen Raum. Diese ambivalente Position der Gesellschaft kann mitunter Triebkraft und indirekte Mitverursacherin von menschlichem Leiden und externalisierten Kosten sein.

Religiöse Tabus und Dogmen, die wissenschaftlichen Erkenntnissen klar widersprechen und globale Probleme verschärfen, frontal demontieren zu wollen, kann kontraproduktiv sein, wenn dadurch irrationale Abwehrreflexe verstärkt werden. Der Auflösung Leid und Kosten verursachender, sinnentfremdeter Tabus (nota bene: es gibt auch sehr sinnvolle Tabus!) muss ein gesellschaftlicher Bewusstwerdungsprozess vorausgehen. Dieser kann durch Information, Diskussion und Anregungen auf politischer und kultureller Ebene gefördert werden.

Auf dem Zeichenbrett

  • Ausstellung: Modefotografie – die Frau als perfekte virtuelle Verführerin und reales Opfer?
  • Essay: Der Staat als sorgender Zuhälter – was nicht dagegen spricht.
  • Operation Pia Fraus: Sanierung unzeitgemässer Dogmengebäude der Schriftreligionen.
  • Sozioökonomische Studie: 78 Jahre nach der Prohibition – die verpasste historische Lehre im Hinblick auf die weltumspannende Drogenproblematik und Vorschläge zu einem entspannten und gleichzeitig effektiveren Umgang mit dieser.
  • Fallstudie Schweiz: die gesellschaftlichen Ursachenanteile bei Depressionserkrankungen und Suizidalität.
Print Friendly, PDF & Email

Deine Meinung interessiert: