Solidarität und Migration

Solidarität und Migration

Die Folgen ökologischer, wirtschaftlicher, finanzieller und demographischer Verwerfungen machen in der globalisierten Welt von heute weder Halt vor unterschiedlichen Gesellschaften und Kulturen noch vor Staatsgrenzen. Im Erkennen dieser gegenseitigen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen bekommt Solidarität eine neue Dimension: sie wird zur globalen Überlebensstrategie mit umsetzungsorientierten Lösungen auf der Basis von grundlegenden und verbindlichen Allianzen.

Die internationale Entwicklungszusammenarbeit der letzten fünfzig Jahre hat die zuvor in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Nur im Nachhinein ist es teilweise möglich, die Gründe für das Auseinanderklaffen von Hoffnungen und effektiven Resultaten herauszufinden. Nicht vorhersehbare, zum Teil sehr spontane, globalpolitische Entwicklungen (wie zum Beispiel ab Ende 2010 in Nordafrika und im Nahen Osten) oder falsche Grundannahmen haben sicher das ihre dazu beigetragen. Überdies ist schwer abzuschätzen, wo die weniger entwickelte Welt heute stünde, wenn es keine oder eine andere Art der Entwicklungszusammenarbeit gegeben hätte. Sicher trugen und tragen auch protektionistische Massnahmen der Industrienationen massiv dazu bei, dass die Volkswirtschaften vieler Entwicklungsländer stagnieren.

Nichtsdestotrotz wird die internationale Entwicklungszusammenarbeit mit kompetenten ExpertInnen, Hunderten von Regierungsorganisationen, Tausenden von Nicht-Regierungsorganisationen und Dutzenden von grossen internationalen Organisationen zunehmend auch kritisch hinterfragt. Dies trifft zwar nicht oder kaum zu für unmittelbare, lebensrettende Hilfe, umso mehr aber für Entwicklungsprogramme im engeren Sinne.

Es ist plausibel anzunehmen und gibt auch Indizien dafür, dass insbesondere öffentliche Entwicklungsgelder nicht zwingend nur entsprechend nutzenoptimierenden (bzw. ‚wirtschaftlichen‘) Kriterien eingesetzt werden (wie es ein notleidendes Individuum in der Regel tut), da faktisch keinerlei direkte und spürbare Verbindung zwischen den Gliedern an den Enden der Umsetzungskette besteht, d.h. zwischen SteuerzahlerInnen und StimmbürgerInnen in den Geberländern einerseits und den Bedürftigen in den Empfangsländern andererseits. Individuelle Ansichten, Interessen von Lobbys, institutionelle Erwägungen und politische Einschränkungen auf verschiedenen Stufen beeinflussen fast unvermeidbar den Prozess von der Bedürfnisanalyse, über die Mittelzuteilung, Planung und Umsetzung bis zur abschliessenden Evaluation der Projekte.

Während authentische Solidarität letztendlich auf Empathie und Freiwilligkeit der Habenden beruht und sich die Bedürftigen in den Notstandsländern zwangsläufig vor allem in der passiven Rolle der Empfänger finden, verweben Migranten und Migrantinnen, politische und Wirtschaftsflüchtlinge ihr Schicksal gewissermassen aktiv mit den reichen Nationen. Die Geschichte zeigt, dass es in gewissen Fällen durchaus möglich war, Emigration oder Flucht aus einem Land (z.B. aus der DDR in die BRD) oder Immigration oder Infiltration in ein anderes Land (z.B. von Cisjordanien nach Israel) effektiv mittels physischer Grenzen oder anderer Massnahmen zu unterbinden. Allerdings wurden solche Mauern immer eher früher als erwartet überwunden, geschleift – manchmal mit fatalen, manchmal mit positiven Konsequenzen für die Menschen auf der gegenüberliegenden Seite – oder wurden schlicht überflüssig.

ANTHILLS würdigt  die Chancen und Risiken der globalen Migration kritisch und entwirft konkrete Projekte und erarbeitet pro-aktiv Optionen.

Auf dem Zeichenbrett

  • PINOY SWANS  steht für ein Abkommen zwischen der Schweiz und den Philippinen betreffend Rekrutierung, Ausbildung und Anstellung von philippinischem Pflege- und Betreuungspersonal in institutionalisiertem Rahmen für Schweizer Spitäler und Pflegeheime, aber auch für Private (inkl. Kinderbetreuung). Hier können Sie das Konzept PINOY SWANS und die Auswertung der Umfrage direkt herunterladen.
  • ANTHILLS‘ Konzept SOCIETE GENERALE DE SURVEILLANCE HUMANITAIRE befasst sich mit der Machbarkeit eines transparenten, standardisierten, international akzeptierten Quantifizierungssystems für Public Development Aid. Eine solche Standardisierung würde die Glaubwürdigkeit und Solidarität sowohl unter den Geber- als auch unter den Empfängerstaaten einerseits sowie zwischen Gebern und Empfängern andererseits fördern.
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